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Beiträge zur Geschichte der Familie G r a g e r t in Perleberg (1938 von Werner Gragert, Perleberg, 1900-1945)
Vorwort: Die vorliegende Arbeit ist ein kleiner Anfang der Aufgabe, die Geschichte der Familie Gragert nicht nur in Lebensdaten festzuhalten, sondern ihren Lebensweg, ihre Schicksale, ihr Wirken und Schaffen so weit zu verfolgen, wie uns die vorhandenen Quellen führen. Ziel der künftigen Arbeit wird es sein, ein möglichst ausführliches Lebensbild der einzelnen unserer Ahnen zu gewinnen und die vorhandenen Lücken in der Ahnenreihe auszufüllen.
Perleberg, Weihnachten 1938 -- Werner Gragert
Verzeichnis der benutzten Quellen: Kirchenbücher von Perleberg, Düpow, Kuhblank, Weisen Archiv des Stadt- und Kreismuseums Westprignitz in Perleberg Archiv des Prignitzmuseums in Havelberg Akten der Stadtverwaltung in Perleberg Grundsteuerkataster der 7 Prignitz’schen Kreise 1686/87 Dr. Johannes Schultze: “Die Prignitz und ihre Bevölkerung nach dem 30jährigen Kriege” Dr. Herold: “Brandenburgische Kirchenvisitationsabschiede- und Register des 16. und 17. Jahrhunderts 1. Band, Die Prignitz
Zur Einführung: Nach der Häufigkeit ihres Vorkommens ist die Familie Gragert als Prignitzer Familie zu bezeichnen. In den Nachbarkreisen, besonders in der nördlichen Altmark, leben noch einige Familien dieses Namens, die wohl mit den Prignitzer Linien eng verwandt sind. Die Wilsnacker Familien haben noch Verwandte in der Nähe von Seehausen. Der Kern aller Prignitzer Stämme liegt offensichtlich in der Pritzwalker Gegend, die wohl heute die meisten Familien unseres Namens aufweist. Wieweit sich für die Perleberger Familie Zusammenhänge mit den Wilsnack - Seehausener Stämmen und den Ostprignitzer Stämmen ergeben werden, soll Aufgabe der weiteren Familienforschung sein. Denn aus diesen Zusammenhängen heraus kann der Beweis oder Gegenbeweis geführt werden für die Behauptungen, die über den Ursprung der Familie Gragert bekannt sind. Bei der Prüfung ist die verschiedenartige Schreibweise des Namens zu berücksichtigen. Der Name Gragert wurde im 16. und 17. Jahrhundert meist als Grawert, Grawer, auch Greuert usw. in den Urkunden geführt, erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts taucht die Schreibweise Gragert, auch Grajert, auf. In der Perleberger Familie ist über die Herkunft der Gragerts die Ansicht überliefert, daß unsere Vorfahren bei der Besiedlung der Lenzer Wische durch den Großen Kurfürst mit den Holländern oder Ostfriesen eingewandert wären, also etwa in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Diese Annahme hat die Tatsache für sich, daß die Familie Gragert, auch mit den Bürgeradelsprädikat van Gragert, heute noch in Ostfriesland besteht. In der großen Zuchtviehauktionshalle in Leer/Ostfriesland fand ich 1927 drei Züchter mit unserem Familiennamen. Reichlich phantastisch und wahrscheinlich mit dem Wappen von einer berüchtigten “Wappenfabrik” auf Bestellung geliefert ist wohl die Stammlinie, wie sie im “genealogischen Bericht zum Wappen des Geschlechts Gragert” aus Schwaben hergleitet wird. Als Curiosum habe ich diesen Bericht beigefügt. Das Wappen wird im Prignitzmuseum in Havelberg aufgewahrt. Es wurde 1914 von einem Fräulein Grahn aus Havelberg dem Museum gestiftet. Es ist erwiesen, daß um 1850 derartige Familienwappen von geschäftstüchtigen Heraldikern ohne jede wissenschaftliche oder sonst einwandfreie Unterlage geliefert worden sind. Der dazugehörige genealogische Bericht ist sehr lückenhaft und schließt mit einem Zeitpunkt ab, der damals von dem Besteller des Wappens nicht mehr nachgeprüft werden konnte. Urkundlich nachgewiesen ist der Name “ Grawert “bisher zumerstenmal in einer Urkunde, die Riedel in der Urkundensammlung "Codex diplomaticus Brandenburgensis (1. Hauptteil, Bd. XV, Seite 184 ff)" veröffentlicht hat. Am 29. Dezember.1390 bestätigt in niederhochdeutscher Sprache der Markgraf Jobst v. Mähren eine Hebung für den Altar Marien und Gregorius in der St. Jacobikirche in Stendal aus Grundstücken aus der Gemeinde Hüselitz (in der Altmark, nahe Stendal), die "Hans Grawert vnnd Vritze sin Bruder gekoft haben". Die gleiche Familie muß sich um die St. Jacobikirche in Stendal erhebliche Verdienste erworben haben; denn am 11.März 1392 ordnet der Dechant des Nikolaistiftes zu Stendal in der St. Jacobikirche die Gedächtnisfeier der Familie “Grawert” in lateinischer Sprache an für "Johannes et fricze, fratres dicti grawert, in villa huselitte" (Johannes und Fritz, Brüder, genannt Grawert im Dorf Hüselitz). In der Prignitz wird unser Familienname zum ersten Male erwähnt in der “Registratuer gehaltener visitationen zu Pritzwalck der Pfarren, geistlichen Lehen und anderer der kirchen gutter am dienstage nach Mathei vnd volgende Tage anno 1545”. Darin heißt es: “Von eynen halbhundert Gulden zu Woltersdorpe (Woltersdorpe) Mollendorpes bure, geben Peter Grawert 20 ß stand. auff Martine ... “ (20 Gulden Stendaler Währung). Bei der späteren Kirchenvisitation im Jahre 1600 werden aus der gleichen Pfarre noch erwähnt Hans, Pasche und Tewes Gragert aus Groß-Woltersdorf, Simon Grawert aus Klein-Woltersdorf, Hans Grawert aus Steffenshagen (ein Vorfahr der Gruber-Linie) und ferner für die Pfarre Perleberg der in Stavenow ansässige “pfarher Er Joachimus Grawert aus Lentzen burtigk (gebürtig) aetatis 53 (53 Jahre alt) hat in vniuersiteten (Universitäten) nicht studiert ... confirmatus (bestätigt, eingesetzt) a. D., Praetario den 14. Junii anno 81 (1581) alhier zu Perlebergae.” Hierin liegt ein Hinweis auf die Lenzer Wische, allerdings auf die Zeit vor der Kolonisation durch den Großen Kurfürsten. Im Perleberger Trauregister steht unter dem 18. Oktober 1574 “Christine Megstus (?) Jürgen Grawers widwe ... (Witwe)” In den Matrikeln der Universität Rostock erscheint im Jahre 1589 "Albertus Grawerus" aus Perleberg. Diesen Namen übersetzt Dr. Körner in seiner Veröffentlichung "Latinisierte Namen" (Der Deutsche Roland, 1935, Heft 3) in der Schreibweise "Graverus" auf Grund urkundlichangestellter Vergleiche mit "Grawert". Aus weiteren Quellen konnte gegen Ende des 16.Jahrhunderts der Name in Perleberg nicht mehr festgestellt werden. In dem "Verzeignuß der Mannschaften in der Prignitz bey gehaltener Visitation in beyden Mohnden Aprili und Majo anno 1652 befunden und uff sondern Befehl Ihr Churf. Durchl. anhero beschrieben" findet sich ein Nachkomme des 1600 nachgewiesenen Hans Grawert aus Steffenshagen in dem gleichen Dorf mit der Eintragung "Jakob Grawer, daselbst bürtig, 39 Jahr, hat anfänglich unter dem König von Dänemark für Dragoner, letzlich der Cron Schweden auf Fehmarn für Zimmerman gedienet". Auch in Groß-Woltersdorf ist die Familie 1652 mit “Paul Grawert alhier gebürtig, 60 Jahr” und mit “Hans Grawert alhier gebürtig, 32 Jahr” vertreten. Die Verbindung zwischen Grube und Steffenshagen bei Pritzwalk gibt 1652 die Liste der wehrfähigen Mannschaften der Gemeinde Grube mit “Jochim Grawert, Schulze, von Stefanshagen bürtig, 36 Jahr”. Die Schreibweise “ Gragert ” erscheint erstmalig 1652 unter Warnow: “Jochim Gragert, von Muchow aus Meckelnburg, 34 Jahr”. In dem "Grundsteuerkataster der 7 Prignitz'schen Kreise" aus dem Jahr 1686 steht in Grube verzeichnet unter den besetzten Kossäten-Höfen "Jakob Grajert hat Land zu 5 Scheffel Winter (= Kornaussaat)" und 1 1/2 Scheffel Sommer (=Kornaussaat)". Auf die Düpower Linie weist eine Eintragung im Düpower Kirchenbuch vom 29. April 1762 hin "Junggeselle Jakob Gragert sell. Joachim Gragert gewesenen Vollbauern aus Grube, mitteleltester Sohn, getraut mit Marie Salomons, verw. Beckmann". Da die Gruber Kirchenbücher erst nach 1800 eisetzen, die früheren Jahrgänge sind durch einen Brand des Pfarrhauses vernichtet, ist bisher urkundlich ein Zusammenhang zwischen dem ersten nachgewiesenen Vorfahr Andreas Gragert in Düpow und der Linie in Grube noch nicht nachweisbar.
Beilage zum “Wappen des Geschlechts Gragert (aus dem Prignitzmuseum Havelberg) Beschreibung über das Wappen des Geschlechts Gragert
Das Wappen befindet sich in der großen europäischen Wappensammlung Thl. VI Pag. 218 Nr. 1 und hat folgende Gestalt: Das Schild ist zur Hälfte in gold und blau geteilt. Über dem gekrönten Thurnierhelme erheben sich zwei zur Hälfte in gold und blau getheilte Büffelhörner. Die Helmdecken sind golden und blau.
Genealogischer Bericht über den Ursprung des Geschlechts Gragert
Eine alte Familie ursprünglich in Schwaben, deren Stammort das Städtchen Stotzingen in der Markgrafschaft Burgau, 3 Meilen von Ulm gelegen ist, später aber den Freiherrn von Stein, oder wie andere wollen, der Stadt Ulm zustehet. Die ordentliche Stammreihe fänget Bucelius mit Johann Gragert an, der um das Jahr 1300 gelebet. Rupert Gragert hat gegen Ausgang des 16-ten Jahrhunderts zuerst in Ulm gewohnet. Dessen Bruder Wilhelmi Gragerts, Urenkel Siegmund Wilhelm Gragert, hat um das Jahr 1676 gelebet und sein Geschlecht mit 3 Söhnen fortgepflanzet.
(soweit die Aufzeichnungen von Werner Gragert)
Die verschiedenen Schreibweisen des Namen G r a g e r t
Urkundlich scheint der Name Grawert bisher zumerstenmal in einer Urkunde nachgewiesen zu sein, die Riedel in der Urkundensammlung "Codex diplomaticus Brandenburgensis (1. Hauptteil, Bd. 15, S.184 ff)" veröffentlicht hat. Danach bestätigt am 29.12.1390 in niederhochdeutscher Sprache der Markgraf Jobst v. Mähren eine Hebung für den Altar Marien und Gregorius in der St. Jacobi-Kirche in Stendal aus Grundstücken aus der Gemeinde Hüselitz (in der Altmark, nahe Stendal), die "Hans Grawert und Vritze sin Broder gekoft haben". Die gleiche Familie muß sich um die St. Jacobi-Kirche in Stendal erhebliche Verdienste erworben haben; denn am 11.März 1392 ordnete der Dechant des Nikolei-Stiftes zu Stendal in der St. Jacobi-Kirche die Gedächtnisfeier der Familie Grawert in lateinischer Sprache an für "Johannes etfrieze, fratres dicti Grawert, in Villa huselitte" (Johannes und Fritz, Brüder, genannt Grawert im Dorf Hüselitz). Um die gleiche Zeit muß aber auch eine Familie Grawert in Lübeck existiert haben. Wie dem Verfasser dieser Zeilen, Hans-Curt von Grawert (geb. in Spandau 1891) mitteilte, steht für die Familie Grawert eines fest; Im Jahre 1301 (i.Worten: Dreizehnhunderttundeins) verließen drei Familien Grawert, von denen zwei Väter als Ratsherren in Lübeck belegt sind, mit ihren Kindern "ihr Erbe". Laut Archiv: Nachkommen nicht zu finden. Im ganzen waren es 10 Männer und eine verheiratete Tochter sowie eine unverheiratete Tochter, evtl. noch die Ehefrauen der drei Familienväter, die Brüder waren. Diese stattliche Anzahl von Grawerts können ja die Stammväter von diversen Grawert's in Holstein, oder Westfalen, oder der Altmark, oder der Prignitz geworden sein. In Utrecht ist im 14.Jahrhundert eine Patrizierfamilie der Grawert's nachweisbar. Einer wurde 1340 Kapitelvikar und hieß Johannes, wie auch sein Vater. Einen Johannes gibt es auch unter den 1301 ausgewanderten Grawert's. Die Genealogie der Grawert's in Lübeck fängt nun an mit einem Vritze der in Stendal wohnt und dessen 1449 verstorbener Sohn lybischer Bürger wird. Für Sie besonders interessant ist, daß Hans in der Faktorei Brügge, Bl. 2, seinem Schwiegersohn, den Bürgermeister von Stendal, Herrn Goldbeck 1472 mehrere Grawert'sche Güter in der Altmark verkaufte. Da nun die Altmark neben der West-Prignitz liegt, so ist es ja durchaus möglich, daß dort auch Grawert's, evtl. Lübecker, seßhaft waren. Herr von Grawert fügt noch hinzu: "Leider wären die von Grawert's nicht in der Lage festzustellen, woher der 1667 geborene Gottfried von Grawert herstammt. Das sächsische Staatsarchiv hatte viele Unterlagen. Gottfried von Grawert war sächsischer Generalmajor und Chef des Ingenieurcorps. Kriegsrangliste und ein Gemälde von ............ fanden sich im sächsischen Staatsarchiv. Ein Geburtsort und -tag war aber nicht angegeben. Das Alter ist dann nach der Rangliste errechnet. Einer seiner Söhne trat ins Preußische Heer als Offizier über und wohl von diesem an wird die Familie als adelig mit dem Lübecker Wappen geführt." Die Beziehungen zwischen diesem Lübecker Geschlecht und den Grawert's bzw. Gragert's in der Prignitz und der Altmark müssen ganz zweifellos eng gewesen sein; denn aus der Familienchronik der von Grawert's geht noch hervor, daß laut eines 1472 ausgestellten Kaufvertrages Hans Grawert, dessen Tochter Elsa den Bürgermeister Goldbeck in Stendal geheiratet hat, mehrere Grawert'sche, in der Altmark gelegene Güter verkaufte. Damit sind eigentlich alle Nachrichten der Familie aus Lübeck beendet. Es sieht also so aus, als wenn eine größere Zahl von Grawert's in die Altmark und die nahegelegene Prignitz gewandert sind und dort gesiedelt haben. Nicht zu vergessen ist, daß auch in Holstein, also nicht allzuweit von Lübeck, eine Familie auf Bauernhöfen zwischen Elbeshöhe und Krückau drei Jahrhunderte lang Güter besaß und auch heute noch in der sogenannten Kremper Marsch ansässig ist. Nach ihrer Familienchronik schrieb sie sich auch anfangs Grauwerdt, eine Schreibweise, die wir schon vorher in Ostfriesland bei dem Hinweis auf verschiedene Wappen der Grauwerdt's bzw. Grawerdt's festgestellt haben. Es ist also sehr gut möglich, daß sowohl die Grauwerdt's in Holstein, wie die in Ostfriesland, wie auch die in der Altmark und der nahegelegenen West-Ost-Prignitz in irgendwelchen verwandtschaftlichen Zusammenhängen stehen. Natürlich wird man das im einzelnen heute wohl nicht mehr nachweisen können. Werner Gragert in Perleberg hat sich übrigens bezüglich der veränderten Schreibweise des Familiennamens sehr intensiv erkundigt. Ihm ist es gelungen viel Licht in die Familie Gragert und ihre verschiedensten Zweige hineinzubringen, auch wenn es ihm nicht gelungen ist, alle Grawert’s als zu einer Familie zugehörig durch Dokumente belegen zu können. Die Stammtafel wird aber die notwendigen Aufschlüsse geben und was in 40jähriger Arbeit so geklärt werden konnte, zeigt doch wie stark verbreitet die Familie Grawert - Gragert gerade in der Prignitz gewesen ist. Sie ist ja auch heute noch dort in verschiedenen Orten ansässig.
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