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1. Beschreibung des Wappens Gragert
In Gold zwei schwarz gestielte, blaue, schräg-gekreuzte Enterhaken. Auf dem schwarz-golden bewulsteten Helm mit schwarz-goldenen Decken zwei golden-gestielte, silberne, schräg-gekreuzte Enterhaken vor einem offenen, schwarzen Flug.
Das Wappen wurde 1936 von Prof. Dr. med. Otto Gragert gestiftet und unter Reg.-Nr. 2010/36 in der Deutschen Wappenrolle veröffentlicht. (Bd. 4 und ein Nachtrag in Bd.17).
2. Führungsberechtigung für das Gragert-Wappen
3. Ausstellung eines Wappenbriefes
Anfragen zur Ausstellung eines Wappenbriefes (Gragert) gestiftet im Jahre 1936 von Prof. Dr. Otto Gragert (veröffentlicht unter Reg.-Nr. 2010/36 in Bd. 4 und einem Nachtrag in Bd. 17) sind schriftlich zu richten an:
Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulurbesitz Abt.: HEROLD, Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften
Archivstr. 12 – 14 14195 Berlin
beizufügen sind Unterlagen aus denen hervorgeht, dass Sie zum Kreis der Berechtigten zählen, die das Gragert Wappen führen dürfen Verwandschaftsverhältnis zum Wappenstifter und dessen Vorfahren (Ahnenfolge, Stammbaum u. ä.)
telefonische Auskünfte bei “Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz”, unter folgender Rufnummer (nur Dienstags, 16-19 Uhr): +49 (0)30–83901–00 (mit Abt. Herold, Verein für Heraldik, verbinden lassen)
4. Sonstiges rund ums Wappen
In Gold zwei schwarz gestielte, blaue, schräg-gekreuzte Enterhaken. Auf dem schwarz-golden bewulsteten Helm mit schwarz-goldenen Decken zwei golden-gestielte, silberne, schräg-gekreuzte Enterhaken vor einem offenen, schwarzen Flug. (Neu angenommen 1935). Als Zusatz erscheint in Band 4 der Deutschen Wappenrolle bürgerlicher Geschlechter, herausgegeben vom "Herold" , Verein für Geschlechter-, Wappen- u. Siegelkunde zu Berlin, jetzt: 1000 Berlin 33, Archivstr. 12, auf Seite 90, mit dem später erfolgten Zusatz: Familie Gragert aus Steffenshagen, Kreis Ost-Prignitz. Der Wappenstifter, Professor Dr. med. Otto Gragert in Bad Neuenahr hat die Führungsberechtigung auf alle Nachkommen im Mannesstamm, seines Stammvaters Hanns Grawert (geb. in Steffenshagen . . . . . um 1570, genannt um 1600 als Schulze in Steffenshagen, Bauer ebenda) ausgedehnt. Ursprünglich war die Berechtigung zu Führung des Wappens auf diejenigen Gragert's beschränkt, die aus der Bad Wilsnacker Linie stammten. Weitere Forschungen zeigten aber, daß die Familie ihren Ursprung in Steffenshagen hat und sich von dort vorzugsweise über die West-Prignitz, aber auch teilweise in die Ost-Prignitz verbreitet hat. Eingetragen wurde das Wappen am 1. Januar 1936, unter Nr. 366 (10/36). Antragsteller war Prof. Dr. med. Otto Gragert, damals Chefarzt der Städt. Frauenklinik in Duisburg. Über die Herkunft dieses Wappens ist folgendes kurz zu sagen: Aus hinterlassenen Papieren des Königl. Geheim. Rechnungsrates Wilhelm Karl Johann Gragert (1816 - 1897) ging hervor, daß er im Besitz eines von seinem Vater, dem Johann Joachim Friedrich Ludwig Andreas Gragert (1780 - 1845), Tischlermeister und Altermann der Tischlerzunft, in Bad Wilsnack geerbten Petschaftes gewesen ist. Der Antragsteller für dieses Wappen hat als kleines Kind diese Petschaft wiederholt gesehen und festgestellt, daß sein Großvater mit diesem Petschaft die Briefe siegelte. Durch Erbschaft überkam es an den ältesten Sohn des genannten Wilhelm Karl Johann Gragert, nämlich an den Kaiserl. Hofrat im Reichskolonialamt zu Berlin, Georg Ernst Ludwig Gragert (1862 - 1919). Bei diesem hat der Antragsteller für das Wappen das Petschaft mehrfach besichtigen können und hat sich auch von dem Petschaftsemblem Zeichnungen gemacht. Diese Zeichnungen dienten als Grundlage für das später heraldisch richtig zusammengestellte Familienwappen, welches er nun zur Eintragung in die Wappenrolle 1935 beantragte. Die späteren Forschungen haben dann kuriose Dinge über verschiedene Wappen der Familie Grawert bzw. Gragert ergeben. Nur besteht bei allen Zweifel, ob es sich überhaupt um eine verwandte Familie handelt oder ob es sich nicht um den Kauf eines Phantasiewappens handelt. Der um die Familienforschung sehr verdiente Werner Gragert, Landwirt zu Perleberg (1900 - 1945) schreibt in hinterlassenen Papieren hierzu folgendes: Reichlich phantastisch und wahrscheinlich mit dem Wappen von einer berüchtigten "Wappenfabrik" auf Bestellung geliefert ist wohl die Stammlinie, wie sie im "genealogischen Bericht zum Wappen des Geschlechts Gragert" aus Schwaben hergeleitet wird. Als Kuriosum sei darüber berichtet; denn dieses Wappen wird im Prignitz-Museum in Havelberg noch heute aufbewahrt. Es wurde 1914 von einem Fräulein Gran aus Havelberg dem Museum gestiftet, vermutlich einer Nichte des Joachim Friedrich Georg Gragert (1745 - 1821) in Bad Wilsnack. Es ist erwiesen, daß gerade im Anfang des 19.Jahrhunderts derartige Familien-Wappen von geschäftstüchtigen Heraldikern ohne jede wissenschaftliche oder sonst einwandfreie Unterlage geliefert worden sind. Der hinzugefügte genealogische Bericht ist sehr lückenhaft und schließt zu einem Zeitpunkt ab, der damals von dem Ersteller des Wappens nicht mehr nachgeprüft werden konnte. Die Beschreibung dieses Wappens lautet: Beschreibung über das Wappen des Geschlechts Gragert. Das Wappen befindet sich in der großen Europäischen Wappensammlung Thl. VI Pag. 218 Nr. 1 und hat die folgende Gestalt: Das Schild ist zur Hälfte in gold und blau geteilt. Über dem gekrönten Turnierhelme erheben sich zwei zur Hälfte in gold und blau geteilte Büffelhörner, die Helm. . . . . sind golden und blau. Dazu ein genealogischer Bericht über den Ursprung des Geschlechtes Gragert: Eine alte Familie, ursprünglich in Schwaben, deren Stammort das Städtchen Stotzingen in der Markgrafschaft Burgau, drei Meilen von Ulm gelegen ist, später aber den Freiherren von Stein oder wie andere wollen, der Stadt Ulm zustehet. Die ordentliche Stammreihe fänget Buzelius mit Johann Gragert an, der um das Jahr 1300 gelebet. Rupert Gragert hat gegen Ausgang des 16.Jahrhunderts zuerst in Ulm gewohnet, dessen Bruder Wilhelmi Gragert, Urenkel Sigmund Wilhelm Gragert hat um das Jahr 1676 gelebet und sein Geschlecht mit drei Söhnen fortgepflanzt.
Jeder, der sich mit heraldischen Dingen auch nur einigermaßen näher beschäftigt hat, wird bei Anblick des Wappens feststellen, daß es den heraldischen Anforderungen nicht genügt. Der über dem Wappen befindliche Helm zeigt ein offenes Visier, was lediglich adeligen Familien zukommt. Außerdem liegt oben eine fünfzackige Krone, die ebenfalls in bürgerlichen Wappen nicht vorkommt. Ferner ist der Wappenschild als solcher viel zu breit und, da ihm jegliche Embleme fehlen, führt das schon zum Verdacht, daß es sich nicht um ein verliehenes Wappen handeln kann; denn gerade Bürgergeschlechtern wurden stets Embleme auf dem Wappenschild bei etwaigen Verleihungen mitgegeben. Auch wir sind der Frage hinsichtlich der Echtheit der Behauptungen der Herkunft der Familie Gragert nachgegangen und haben folgendes festgestellt.
1) Durch Rückfrage beim Stadtarchiv 8872 Burgau i/Schwaben, zuständig für Stotzingen, folgendes: "Stotzingen liegt nördlich der Donau, also außerhalb der Markgraftschaft Burgau, die sich südlich der Donau erstreckte. Auf das Geschlecht der Gragert's sind wir bei unseren Forschungen im Raum Bayrisch-Schwaben nie gestoßen. Bitte wenden Sie sich um Auskunft an das Archiv der Stadt Ulm."
2) Auch dies ist geschehen und das Stadtarchiv Ulm hat mitgeteilt, daß für den Aufenthalt einer Familie Gragert in Ulm sich bei Durchsicht der einschlägigen Archivarien und nach Auskunft des Evang. Kirchenregisteramtes kein Hinweis findet.
Im 40.Jahrgang der Wappenrolle des "Herold", das Jahr 1909 umfassend, heißt es auf Seite 25, einer Aufzählung Lübecker Ratsherren, unter Grawert : "In Rot ein goldener Stamm mit zwei Rosen und zwei Blättern. Das Geschlecht stammte aus Stendal, blühte im 15. und 16.Jahrhundert in Lübeck, hatte Mitglieder im Rat und in der Zirkelkompanie, doch war 1453 kein Grawert Ratsmitglied." Mehr ist darüber nicht gesagt. Es heißt dann nur noch, daß die Stadt Lübeck ein Buch mit gemalten Wappen der Ratsherren besitze. Sie sind auch auf zwei Kuchenformen (im "Herold" abgebildet) enthalten. Im Gotha'schen Taschenbuch der adeligen Häuser, Teil B, Jahrg. 28, 1936, findet sich ebenfalls ein Hinweis auf dieses Wappen: "In R. ein auger. oben und unten abgehauener (gr.) Eichenstamm beidseits mit g. Blatt, überhöht von zwei g. Rosen nebeneinander. Auf dem gekreuzten Helm mit rot-grünen Decken der Eichenstamm. Vgl. hierzu auch Wiener genealogisches Taschenbuch, Bd. 6, 1934. Auf diese Familie wird noch später zurückgekommen werden.
. . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . .. .... . .. wurde Gottfried von Grawert, geb. 1670 in Dresden, daselbst im November 1724 gestorben, Kursächsischer Generalmajor, Chef des Ingenieurcorps und Kommandant der Festung Königsstein, geadelt.
In einem Heft 2, 1961, der Ostfriesichen Landschaft, Arbeitsgruppe Familienkunde und Heraldik, welches eine Reihe von Wappen ostfriesischer Familien enthält, findet sich ebenfalls ein Wappen einer Familie Grawerdt. Dabei beruft sich der Verfasser auf v. d. Appelle, Bd. 9 a (StArchiv Aurich Dep.IV), S. 63, und führt dort an einen Rotger Grawert, dessen Sohn Henricus Grawert (oo I. Johanna, II. Bawe Edden) , Drostardus et Consul Emd.: und seine Nachkommen:
- a) Johann G., Senator Emd. (oo Josena v. Bronchorst)
b) Peter G. (oo Talda Folckersheim) c) Rotger G., sonst nur weibl. Nachkommenschaft
Zu dieser Stammfolge findet sich eine Notiz:
- "Dieses ist eigentlich eine bürgerliche Familie gewesen, die aber gar oftens mit Adlichen gealiieret, im Utrechtischen ist dieses Geschlecht noeg und im Ansehen, in Emden ist es aber gantz erloschen."
- "Nachfolgendes Fragmentum Geneialogicum ist mir von Herrn v. Wingene communiciret."
- Dann folgt die Wappentafel (s. ob. Auszug) mit dem Vermerk: "Das bey diesem Fragmento Genealogico befindliche Wappen deren Grawert waar ein rother Schildt, und darin oben zur Rechten ein güldner, sechseckiger Stern, zur Linken eine silberne Rose, unten aber eine güldene Lilie. Auf dem Helm ist eine güldene Lilie."
- Diese Wappenbeschreibung stimmt mit der Zeichnung auf der genealogisch heraldischen Tafel von Gossel Rudolph von Wingene (um 1750) auf der Osterburg zu Groothusen überein.
- v.d.Appelle erwähnt dann weiter Hindrick Grawerts, . . . . .+ Emden, 12.1.1550, 1519 - 1525 gräfl. Hausschreiber ebd. 1532 gräfl. Sekretär, 1535 - 1550 Drost u. Amtmann in Emden, 1540 - 1550 Bürgermeister; als Rat der Gräfin Anna 1536 - 1544 erw., war er als solcher 1545 an der Beratung, Überarbeitung und Beschlußfassung der Polizeiordnung beteiligt.
- R i e t s t a p (nach I.Tannen), Wappen ostfriesischer Familien, (vgl. Ostfriesische Landschaft, Arbeitsgruppe Familienkunde und Heraldik, 1961) bringt dann noch die Beschreibung einer Reihe weiterer Wappen, die er - trotz variabler Schreibweise - in die gleiche Familie einordnet - so: "Grawerdt - Ostfrise: De gu. une étoile d'or en chef à dextre, une rose d'arg. bout. et barbée d'or à sen., et une fleur-de-lis d'or en p. C.: une fleur-de-lis d'or." - "Grauwert - Haarlem: De gu. à un poisson nageant d'arg., acc. de trois glands d'or ( . . . . . ),les tiges (. . . ) en bas." und "Grauwert-P. d'Utrecht: De gu. à trois roses d'arg., bout. et barbées d'or; au chef du meme. C: une rose de l'écu; entre un vol' à l'antique (. . . ), de gu. et d'arg; ou, une buste d'homme hab. (. . . ) d'arg. S: deux lions" und "Grauwert de Hindersteyn - P. d'Utrecht:. De gu. à trois roses d'arg., bout. et barbées d'or; au chef du meme (Grauwert); au fr.-q. fascé-ondé d'arg. et de sa., de huit pièces (Wulven de Hindersteyn)."
- Zusatz von Frau Isa Tannen: "Diese Wappen sind von dem ostfriesischen überlieferten so verschieden, daß die (von Frau Ites mitgeteilte) Ansicht von Herrn Meesters-Utrecht, daß die Familie Grawert nicht aus Utrecht stammt (evtl. aus Steinfurth/Westfalen?) hierdurch eine Stütze erhält und man die Annahme von v.d.Appelle, daß beide Familien zusammenhängen, fallen lassen muß.
- Rietstap bringt ferner auch das bereits erwähnte, auch im "Gotha, T. 2", erwähnte Wappen der Lübecker Grawert (beschrieben im Herold, 40.Jahrgang, S.25), "in Rot ein goldener Stamm mit zwei Rosen und zwei Blättern"; demnach "blühte dies Geschlecht im 15. u. 16.Jahrhundert in Lübeck." Bei der Verschiedenheit der Wappen ist aber auch zu dieser Familie keine Verbindung anzunehmen.
- In Fieker, Herald. Mitt. des Kleeblatt, XXIX, S.56, findet sich eine Wappenbeschreibung der Jaetje Grawert, (bei v.d.Appelle wohl: Taetke oo Hauerda) Frowe to Up- und Wolthusen, + 16.1.1576 (Grabstein/-platte in der Kirche zu Uphusen): "in . . . . eine Lilie, darüber rechts ein Stern, links. eine Rose. Auf dem Helm eine Lilie."
- Holtmanns, im Ostfr. Wappenbuch (Msc. im Archiv der "Kunst" Emden) und im Ostfries. Monatsblatt 1880. S. 324 erwähnt das Wappen einer Familie von Grawert (Grawers): Schild: gespalten; rechts in . . . einen Balken, begleitet oben von zwei . . . Sternen, unten von einer Rose, links in . . . einen halben. . . . Adler am Spalt. Helm: . . . ." Anscheinend handelt es sich hier aber nicht um das Wappen der Familie von Grawert, sondern um das der Familie Potter.
- Holtmanns fährt fort: "Auf einer Ahnentafel des Theso v. Crumminga, in der "Kunst" führt ein Grawert "in Rot eine silberne Lilie, begleitet oben rechts von einem silbernen Stern und oben links von einer silbernen Rose." - "Die aus Lübeck stammenden preußischen v. Gragert führen in rot zwei goldene Rosen im Schildeshaupt und darunter einen goldenen Baumstumpf mit zwei Blättern. Helm: der Baumstumpf des Schildes."
- Interessant ist auch der Hinweis von v.d. Appelle auf einem Grabstein im Chor der Kirche von Uphusen: "Johann Grauwert, der Ratsherr von Emden gewesen, und die Josinam v. Bronchorst zur Ehe gehabt, hat auch einen Sohn gehabt, Henrich genannt, der zu Uphusen im Chor der Kirchen begraben liegt, mit dieser Inscription: HIC JACET HINRICUS BRONCKHORST INFANSQ GRAWER, TERRA TEGIT CORPUS, SPIRITUS ASTRA COLIT. - HINRICUS GRAWERTH JUNIOR OBIIT Ao 1587. 3. Jan. - NASCENDO MORIMUR."
- Die Schreibweise dieses Familiennamens wechselt, teilweise wird statt Grawert auch Grawer oder Grauwert angegeben. Nachforschungen ergaben, daß diese Familie jedenfalls nicht mehr in Ostfriesland existiert und daß auch in Holland keine Familien dieses oder ähnlichen Namens nachweisbar sind. Inwieweit nun zwischen diesen ostfriesischen und den vorher genannten Grawert, Gravert's und den heutigen Gragert's verwandtschaftliche Bindungen bestehen, ließ sich nicht nachweisen und wird sich auch vermutlich nie nachweisen lassen. Immerhin deutet manches darauf hin, daß einmal die Lübecker Familie aus einem Bauernstamm Gravert (Grauwert ursprüngl. genannt) in der Kremper Marsch stammt und daß Angehörige der Lübecker Gravert's in die Prignitz bzw. Altmark ausgewandert sind und sich von hier aus diese Familien auf die West- u. Ostprignitz verteilt hat.
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